Chorgestühl

Das gotische Chorgestühl von 1481

Das lange gotische Chorgestühl an den beiden Seiten des Hochchors gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung dieses Raumes, obwohl es in der entsprechenden Zeit, nämlich 1481 entstanden ist, wie die Inschrift an der nordöstlichen Seitenwange bezeugt. Diese Inschrift hat übrigens frühere Kunsthistoriker dazu verleitet, die Vollendung des Hochchorbaus auf 1481 zu datieren. Doch die Ludgerikirche war nie eine Klosterkirche, und das Chorgestühl war ursprünglich um einige Sitze länger und musste für das hiesige Platzangebot beim Einbau gekürzt werden. (Die Reste der dabei übrig gebliebenen Sitze finden sich jetzt noch im Chorumgang.) Möglicherweise stammt das Chorgestühl aus dem 1531 zerstörten einstigen Norder Benediktiner-Doppelkloster Marienthal. 

Kunstvoll geschnitzt sind die östlichen Seitenwangen: Auf der Nordseite ist die Kreuzigung Jesu dargestellt mit Sonne und Mond in den Gewölben über den Kreuzesarmen. Auf der Südseite sehen wir die Verkündigung des Engels an Maria mit einem großen Lilienstrauß als Symbol der Reinheit und Jungfräulichkeit, im Hintergrund ein Lesepult mit zwei Büchern, dem geschlossenen Alten und dem aufgeschlagenen Neuen Testament.

Die zweisitzigen Grafenstühle unter dem Fürstenstuhl gehören zur gotischen Erstausstattung des Hochchors, sie waren die Vorgänger des Fürstenstuhls. Ihre Pulte sind an den Seitenwangen mit kunstvoll geschnitzten Wappen geziert, das nördliche Pult mit dem Jungfrauenadler der Familie Cirksena und das südliche mit einem Einhorn im Wappenschild (Symbol für Christus, aber auch für Jungfräulichkeit und daher Mariensymbol).

Das Chorpult zu dem in der Mitte stehenden Dreisitz zeigt an seiner Südseite einen Pelikan (Symbol der sich aufopfernden Liebe, des gekreuzigten Christus) und Jona im Maul des Fisches (Symbol des Todes und der Auferstehung Christi).