Heizungssanierung 2017

Das eingehauste Langschiff von oben - die Baustelle liegt unter der Folie

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Alte Zeitungsseiten auf der Fliesenrückseite
Förderkreis Kulturschatz bei der "Rettung" der alten Fliesen
Die Einrichtung der Baustelle - Schutz der Kanzel
Staub-Absaug- vorrichtung

Eine historische Kirche so zu erwärmen, wie wir es von unseren Wohnzimmern gewöhnt sind - das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wirtschaftlich wäre es schon gar nicht. Dazu ist der Raum viel zu groß und die Nutzungszeiten sind viel kurz und zu verstreut über die Wochentage. Und vor allem gibt die Bauweise eine Isolierung nach modernen Gesichtspunkten überhaupt nicht her. Das beginnt schon bei den vielen großen bleiverglasten Fenstern, die sich nicht isolieren lassen wie bei einem modernen Einfamilienhaus. Dazu kommen viele Kältebrücken in der komplexen Dachkonstruktion, so dass halbherzige Isolierungsmaßnahmen eher große Bauschäden nach sich ziehen. Zudem hat die Ludgerikirche mit der Orgel und der historischen Inneneinrichtung Kunstgegenstände, die sehr empfindlich auf Schwankungen bei der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit reagieren.

Trotzdem ist es seit Jahren das Anliegen des Kirchenvorstands, die Wirtschaftlichkeit der Heizung und das Temperaturempfinden für Gottesdienst- oder Konzertbesucher in der kühlen Jahreszeit zu verbessern. Heizkosten von über 10.000 Euro im Jahr allein für die Kirche kann sich die Gemeinde nicht leisten.

Bereits 2012 waren deshalb ein moderner Heizkessel und eine moderne Heizungssteuerung installiert worden, die die Temperatur innen und außen sowie die Luftfeuchtigkeit an verschiedenen Messpunkten in der Kirche einbezog. Damit sollte ein schonendes Aufheizen ermöglicht werden - und gleichzeitig Schäden durch zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit von der empfindlichen Orgel, der Kanzel und dem Holzgestühl abgewendet werden.

Jetzt wurde der zweite Schritt umgesetzt: Neben den vorhandenen Heizkörpern an den Außenwänden der Kirche wurden im Lang- und Querschiff zusätzlich Bankheizungen angebracht, die die Wärme unmittelbar zu den Besuchern transportieren. Im Querschiff wurden darüber hinaus vier große Heizungsstationen im Boden eingelassen, die unmittelbar Warmluft in die Vierung der Kirche bringen sollen, um so Zugluft aus dem Hochchor bzw. von den großen Fenstern über dem Süd- und Nordportal zu verringern. Dazu waren aufwändige Arbeiten im Bodenbereich notwendig, vor allem um den Kirchraum und seine Schätze vor Schäden durch Baustaub zu schützen. Deshalb wurde die gesamte Baustelle "eingehaust", also mit einer Folie eingeschlossen.

Sorgenkind bleibt in Sachen Heizung der Hochchor. Unter dem Marmorboden liegen alte Gräber, außerdem ist das über 500 Jahre alte Chorgestühl besonders schützenswert. Gleichzeitig ist dieser Teil der Kirche wegen seiner besonderen Höhe sehr aufwändig zu beheizen. Eine Bankheizung kommt bei den vorhandenen frei stehenden Stühlen nicht in Frage. Deshalb gibt es derzeit in diesem Bereich kein finanzierbares Heizungskonzept, das von den Denkmalschützern genehmigt werden würde.