Kantorei
Singen Sie mit uns!
Die Kantorei der Ludgerikirche wurde 1886 als "Kirchengesangsverein für die lutherische Gemeinde Norden" gegründet. Dirigenten des Chores waren in seiner langen Geschichte u. a. Georg Grundmann, Gottfried Gallert, Gerhard Bau und Reinhard Ruge. Neben der Gestaltung von Gottesdiensten mit Kantaten, Messen und A-Capella-Literatur verschiedenster Epochen führt der Chor in regelmäßigen Abständen große Oratorien der Musikliteratur auf. In den letzten Jahren wurden u. a. das "Deutsche Requiem" von Brahms, die "Messe in c-moll" von Mozart, der "Elias" von Mendelssohn und die "Johannespassion" von Bach gesungen. Dabei hat der Chor bis zu 80 Mitglieder. Ausflüge und Probenwochenenden ergänzen die wöchentlichen Proben.
Probentermin: dienstags 19.30 - 21.30 Uhr im Gemeindehaus Norddeicher Straße 159 - Information und Anmeldung: Kantor Thiemo Janssen, Tel. 04931/169173
Die nächsten Termine der Kantorei sind:
Samstag 12. 5. 18 Uhr Großes Ludgerikonzert mit allen Musikgruppen
Freitag 29. 6. abends Probe in der Ludgerikirche mit Orchester für
Samstag 30.
6. 19
Uhr Oratorienkonzert:
"Der Messias" von G. F. Händel
(Solisten, Barockorchester mit Martin Fliege)
Sonntag 30. 9. 10 Uhr Singen im GD zur Goldenen Konfirmation
Sonntag 25. 11. 10 Uhr Singen im GD zum Totensonntag
Sonntag 9. 12. 10 Uhr Singen im GD zum 2. Advent
Montag 24. 12. 23 Uhr Singen im GD an Heilig Abend
Oratorienkonzert am 30. Juni 2012 - Georg Friedrich Händel "The Messiah"
Das großartigste Gotteslob: Der "Messias" ist nach wie vor Händels populärstes Werk. Am 14. April, Händels 250. Todestag, werden sie es in der Westminster Abbey, über seinen Grab, wieder tun: Aufstehen, wenn das "Hallelujah" aus Händels Messias (englisch: "Messiah") erklingt. So wie es nur in London üblich ist. Angeblich soll die Tradition bis auf König Georg II. zurückgehen. "Hallelujah" - hebräisch für "preiset Jahwe", das haben auch in der Folge Leonard Cohen und Rammstein geschmettert, 1979 gewann die Gruppe Milk & Honey damit sogar den Eurovision Song Contest. Diese einfachste, aber eben auch mitreißendste Form des gesungenen Gotteslobs wirkt immer. Die Stimmen erheben, auch wenn man sitzen bleibt, ob es 16 sind, wie in Ton Koopmans Magerquark-Version oder 4000 - wie 1885, zu Händels 200. Geburtstag im Londoner Kristallpalast, nebst 500 Orchestermusikern und 87769 zahlenden Zuhörern.
Diese wenigen Minuten gehören zu einem der berühmtesten Musikstücke nicht nur der christlich-kirchlichen, sondern der abendländischen Kultur überhaupt. Wiedererkennungswert garantiert. Sie stehen in D-Dur, der festlichsten aller Tonarten, weil in ihr die Barocktrompeten gestimmt waren.
Dabei ist Händels berühmtestes von mehr als 20 Oratorien auch sein untypischstes. Am 13. April 1742 im peripheren Dublin uraufgeführt (D-Dur ist übrigens auch die meistverwendete Tonart der irischen Folklore), immer wieder überarbeitet und angepasst - und nicht wirklich erfolgreich von Anfang an. Wie sonst nur "Israel in Ägypten" von 1739 verwendet es vorwiegend Worte des Alten Testaments, um so abstrakt wie möglich die Heilsgeschichte Jesu zu erzählen, von den urtümlichen Prophezeiungen bis zur Wiederkehr am jüngsten Tag.
Da gibt es kein anglikanisches Eifern und kein reformatorisches Ringen und schon gar keine katholische Katharsis. Die von Charles Jenners zusammengestellten Zitate mühen sich fast um so etwas wie Objektivität. Deshalb sicherlich wurde der "Messias" so universell. Er reduzierte lange Zeit den Komponisten Händel, aber das macht nichts, denn hier ist (fast) der ganze Georg Friedrich konzentriert: Mit seiner ureigenen, so ausgewogen definierten, das italienische Oratorio wirkungsvoll weiterentwickelnden musikalischen Wesenszügen. Mit elegant-strengen Instrumentalpassagen. Mit melodisch ausschwingenden, mal dramatischen, mal ruhevollen Arien und Ensemblesätzen. Und natürlich mit den vielgestaltig als Kommentare eingesetzten Chören. Dazu mit vielen, sonnendurchglühten musikalischen Anleihen aus dem Schatz seiner immer noch in ihrer Fülle zu entdeckenden über 100 Kantaten der Jungkomponistenzeit in Rom.
Der in nur 24 Tagen komponierte "Messias" wurde in Irland in einer Musikhalle als "Entertainment" und Benefizkonzert für mehrere karitative Organisationen angekündigt. Noch Jahre später wurde er auch als blasphemisch verurteilt. In London reagierte man zunächst kühl auf das sicherheitshalber ohne Titel als "sacred Oratorio" gegebene Werk. Erst 1750 begann eine jährliche Aufführungstradition: Händel schloss seine Oratoriensaison in der Fastenzeit mit einer Aufführung des "Messias" ab und gab nach Ostern eine weitere Vorstellung in der Kapelle des Foundling Hospital, deren Erlös den Findelkindern zugute kam. Dieser Institution vermachte er nach seinem Tod auch einen beträchtlichen Teil seines, nach den Verlusten mit den diversen Opernkompanien, an denen er zunächst störrisch festgehalten hatte, wieder riesigen Vermögens.
In Deutschland wird der "Messias" geachtet und gesungen, aber die Popularität, die er im englischsprachigen Raum genießt, wo er durchaus Schlüsselstellen eines Lebenslaufes musikalisch markieren kann, erlangte er hier nie. Mozart hat sich vergeblich mit einer deutschen Bearbeitung um das bereits dem Vergessen anheim fallende Werk gemüht, Goethe hat daran herumgedoktert. In England wird es gern zum Advent aufgeführt, in Deutschland versteht man es - wegen seines Auferstehungs- und Erlösungsschlusses - eher als Werk für die Fastenzeit und Ostern. Stefan Zweig hat ihm eine seiner besonders kitschigen "Sternstunden der Menschheit" gewidmet.
Heute genießen wir zum Glück neben dem "Messias" und den anderen Oratorien wieder den Opern-Händel in vollster Blüte. So ist sein Jubiläum keine kalendarische Pflichtübung, sondern schönste Bestätigung eines ungebrochen populären Komponisten.
Manuel Brug in "Welt Online" anlässlich einer Aufführung an Händels 250. Todestag am 14. 4. 2009.
Impressionen vom Weihnachtsoratorium Dezember 2009
Jubiläumskonzert - 125 Jahre Ludgerikantorei
Berauschendes Konzert zum Jubiläum
125. Geburtstag der Ludgerikantorei – Begeisterung bei Mitwirkenden und Besuchern
Lang anhaltender Beifall für Chor, Orchester, Solisten und die Pianistin
Es ist ein Abend ohne ein gesprochenes Wort. Er gehört
allein der Musik, er gehört Mozart und Beethoven, er gehört der
Ludgerikantorei und den Solisten mit ihrem Publikum. Sie alle
feiern gemeinsam den 125. Geburtstag der Kantorei mit einem
grandiosen Konzert.
Die Kirche ist an diesem Sonnabend Abend nahezu voll besetzt,
aber das ist nicht zu hören. Kaum einer bewegt sich, wird nicht
musiziert, ist kein Laut zu hören. Die Spannung der Musik liegt
im ganzen Kirchenschiff, sie überträgt sich von den
Konzertierenden auf ihr Publikum. Alles verschmilzt zu einer
Einheit unter dem Dach dieser Musik.
Das Ganze macht es
Was ist wohl der Höhepunkt? Als Dominika Iwanski aufgestanden
ist von ihrem Platz am Flügel, als sie gerade den letzten Ton
von Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur gespielt hat, der
noch im Raum schwebt? Oder als Sopranistin Marietta Zumbült
noch ein letztes Mal so richtig intensiv zu hören ist beim
Laudate dominum in Mozarts Vesperae solennes de Confessore?
Oder vielleicht, als die Streicher des Höchberger
Kammerorchesters dominant aufspielen oder die Oboen mit ihrem
durchdringenden Klang so selbstverständlich ihren Weg in jedes
Ohr finden?
Es ist wohl das Ganze, das den Abend ausmacht. Da ist der
große Chor der Ludgerikantorei im Hintergrund, der die Basis
schafft gemeinsam mit dem Orchester, damit die Solisten vor
ihnen glänzen können. Da ist der Dirigent Thiemo Janssen, der
als Einziger weder singt noch ein Instrument spielt, sich
also in keiner Form äußert und doch maßgeblichen Erfolg
am Gelingen des Abends hat. Er dirigiert mit einer
unglaublichen Wucht. Seine Armbewegungen, seine Körperhaltung
zeigen, was er hören, was er spüren und ans Publikum
weitergeben will. Seine Hände verkrampfen, wenn er die Dramatik
steigern möchte, er schwingt mit, wenn es lieblich und sanft
durch die Kirche schallt. Das gibt exakt wieder, was in gut
zwei Stunden an diesem Abend in der Ludgerikirche zu hören
ist.
Krönungsmesse
Mozarts Krönungsmesse, das Vesperae solennes de
Confessore und Beethovens Klavierkonzert, das ist überaus
passende feierliche, aber auch von einer innigen Fröhlichkeit
gekennzeichnete Musik.
Iwanskis Flügelspiel steht natürlich im Mittelpunkt bei
Beethoven. Es ist unglaublich, wie sie mit dem Flügel
verschmilzt, die Finger gleiten wie selbstverständlich über die
Tasten, geben einfach heraus, was sie in sich trägt. Von dieser
Innigkeit ist der ganze Abend geprägt. Bei Mozart befruchten
sich Chor und Solisten immer wieder gegenseitig. Die
Laiensänger und
-sängerinnen meistern auch schwierige Passagen mit viel
Gefühl, selbst die Höhen gelingen wirklich gut, einfach alles
passt an diesem Abend zusammen.
Mit Marietta Zumbült (Sopran), Annette Gutjahr (Alt), Oliver
Uden (Tenor) und Jan-Bernd Strauß (Bass) stehen vor Chor und
Orchester vier Solisten, die sich wunderbar in das
Klangensemble einfügen, ihre Stimmen tragen, ohne andere zu
erdrücken, alles schwingt zu einem sehr wohlgeformten
gemeinsamen Klangteppich.
Wechselspiele
So kann das Publikum die Wechselspiele zwischen
Chor und Solisten besonders genießen, weil es keinen Bruch gibt
in der Musik, es kann sich tragen lassen von der feierlichen
Stimmung, die sich vom ersten Moment an in der Kirche
ausgebreitet hat.
Es ist Musik, die im Ohr bleibt. Sei es das „Dona nobis
pacem“, sei es das „Gloria patri“, ein „Amen“ oder einfach
dieser Gesamtklang: 125 Jahre Ludgerikantorei hatten eine
besondere Aufführung als Geburtstagsgeschenk verdient.
Tatsächlich machte sich die Kantorei selbst das schönste
Geschenk mit diesen Klängen, die über Stunden im Ohr geblieben
sein dürften.
(Bericht: Irmi Hartmann – Ostfriesischer Kurier vom
27.06.2011)
Bach im Advent 5. Dezember 2010
Bach kommt also auch an - bei Musikern sowieso, denn seine Werke zu singen und zu spielen bedeutet immer eine niveauvolle Herausforderung.
So präsentierten die Norder Ludgeri-Kantorei, das Nordwestdeutsche Barockorchester, Heidrun Luchterhandt (Sopran), Ursula Thurmair (Alt), Dirk Hauenschildt (Tenor), Jan-Bernd Strauß (Baß) und Elke Johann to Settel (Sopran, als Ergänzung des Solistenquartetts) am zweiten Adventssonntag ein rund zweistündiges festliches Chor- und Orchesterkonzert in der vollbesetzten Ludgerikirche.
Doch wurde dem Hörer die Zeit nicht lang, denn zwei Kantaten, eine Suite sowie das Magnificat boten reichlich Abwechslung und den Ausführenden Gelegenheit, ihre jeweiligen Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Präzise und sauber gelangte die Kantorei mit schönem Klang durch das filigrane Rankenwerk der oft rhythmisch so verzwickten Chorpartien, zuweilen nur durch die Instrumentalisten etwas zugedeckt.
Mit der vielbeschäftigten Heidrun Luchterhandt und Ursula Thurmair, die man sehr gerne ausführlicher gehört hätte, waren zwei hervorragende Solistinnen zu erleben, die ihren männlichen Kollegen in punkto Schaffung von athmosphärischer Dichte, Glanz und Wärme überlegen waren. Stimmgewaltig zwar, aber unsentimental und
häufig unbeweglich verschenkten Dirk Hauenschildt und Jan-Bernd Strauß manche Gelegenheit zur Umsetzung der von Bach so einfallsreich gestalteten Textauslegung.
Die prachtvolle Orchestersuite in D, als "Puffer" zwischen den Vokalwerken eingeschoben, bot sich dem Publikum so strukturiert und gleichzeitig dynamisch dar, dass man zu dem Schluss kommen könnte, mit
Thiemo Janssen stände eher ein reiner Instrumentalist denn Kantor am Dirigentenpult, der es versteht, das Bachesche Stimmgefüge differenziert offenzulegen. "Bach im Advent" bedeutete einmal nicht die Aufführung ein
in sich geschlossenen Ganzen, wie etwa des Weihnachtsoratoriums, sondern trug in seiner aneinandergereihten Vielteiligkeit zuweilen Züge eines "Wunschkonzertes", welches zahlreiche Ohrwürmer, Highlights und Hits aus den "Charts der Barockmusik" vereinigte. Diese jedoch einmal im ursprünglichen Kontext hören zu können, war im Blick auf die üblichen Medienpraktiken eine Wohltat. Und siehe, auch das "Drumherum" bot viele, viel zu selten zu erlebende Juwelen wie etwa die von zwei Blockflöten umspielte Altarie im Magnificat; quasi ein Kleinod aus Bachs privater Schatztruhe und von den Beteiligten mit viel Gespür für's Privatissimum musiziert. Das Publikum war begeistert und zufrieden, wie sich unschwer am Beifall ablesen ließ.
So ist Bach musikalisch nicht nur sicher, sondern auch im doppelten Sinne gut angekommen.
Barbara Fischer, Emden












