Kantorei

Singen Sie mit!

Die Kantorei der Ludgerikirche wurde 1886 als "Kirchengesangsverein für die lutherische Gemeinde Norden" gegründet. Dirigenten des Chores waren in seiner langen Geschichte u. a. Georg Grundmann, Gottfried Gallert, Gerhard Bau und Reinhard Ruge. Neben der Gestaltung von Gottesdiensten mit Kantaten, Messen und A-Capella-Literatur verschiedenster Epochen führt der Chor in regelmäßigen Abständen große Oratorien der Musikliteratur auf. In den letzten Jahren wurden u. a. das "Deutsche Requiem" von Brahms, die "Messe in c-moll" und das "Requiem" von Mozart, der "Elias" sowie der "Paulus" von Mendelssohn, der "Messiah" von Händel und die "Johannespassion" von Bach gesungen. Dabei hat der Chor bis zu 80 Mitglieder. Ausflüge und Probenwochenenden ergänzen die wöchentlichen Probenabende.

 

Probentermin: dienstags 19.30 - 21.30 Uhr im Gemeindehaus Norddeicher Straße 159

Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit herzlich willkommen!
Information und Anmeldung: Kantor Thiemo Janssen,  Tel. 04931/169173


Die nächsten Kantorei-Termine

So 10.12.       10 Uhr         Singen im GD am 2. Advent

Di  12.12.       18 Uhr         Singen in "Advent in Ludgeri"
                                              - anschließend Adventsfeier im Gemeindehaus

Sa 23.12.       19.30 Uhr    Probe in der Kirche für

So 24.12.       23 Uhr         Singen in der Christvesper (mit dem Ludgeri-Weihnachtsensemble)


500. Jahrestag der Reformation Gottesdienstlicher Festakt mit feierlichem Konzert

Nach dem Festakt am Reformationsjubiläum schreibt
Kirchenvorsteher Tai-Lee Park in einer E-Mail an Thiemo Janssen:
Im Ostfriesischen Kurier habe ich den Bericht über den Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum gelesen.
Darin stand überwiegend etwas über die Predigt von Herrn Kirschstein. Natürlich war seine Predigt sehr beeindruckend und gut.
Was mir aber fehlte, war ein ausführlicher Bericht über das musikalische Geschehen.
Das Orchester war sehr gut und besonders der Tenor hervorragend.
Unsere Kantorei muss ich loben, dass sie ihr Bestes gegeben hat. So viele Stunden haben die Mitglieder der Kantorei für diesen Festgottesdienst geopfert.
Als Kirchenvorsteher möchte ich den Mitgliedern unserer Kantorei herzlich danken.
Besonders möchte ich Ihnen zuerst zu dieser Auffürung gratulieren.
Ein Symphonie zu dirigieren ist ein schwieriges Unternehmen für jeden Dirigenten. Sie haben die ganze Zeit das Orchester und den Chor unter Kontrolle gehalten.
Ihr Dirigat zeigte präzise alle Kleinigkeiten, die eine gute Interpretation erfordert.
Ich gratuliere Ihnen noch einmal ganz herzlich und wünsche Ihnen und unserer Kantorei Gottes Segen.
Schönen Gruß an die Kantorei
Ihr
Tai-Lee Park


Oratorienkonzert am 5. November 2016

Solistin Maria Park
Am Samstag um 18 Uhr lädt die Norder Ludgerikantorei unter der Leitung von Thiemo Janssen zu ihrem diesjährigen Oratorienkonzert ein. Passend zum Kirchenjahresende wird zu Beginn die Bachkantate "Wer weiß, wie nahe mir mein Ende" musiziert, ein sehr farbiges, poetisches Werk des Leipziger Thomaskantores mit schönen Soloarien und Instrumentalsoli. Haupt- und Schlusspunkt des Konzertes ist die Messe in D-Dur von Antonin Dvorak, ein Meilenstein der spätromantischen Kirchenmusik. Das abwechslungsreiche, eingängige Werk überzeugt durch seine schwungvolle Dynamik und ausdrucksstarke Harmonik und verlangt sowohl dem Chor als auch den Gesangssolisten und dem Orchester einiges ab. Mit von der Partie sind vier Gesangssolisten (u. a. Maria Park aus Norden) sowie das Höchberger Kammerorchester in symphonischer Besetzung. Dazwischen erklingt als Brücke zwischen Barock und Romantik die beliebte Holberg-Suite von Edvard Grieg, die barocke Tanzformen mit romantischen Klängen kombiniert. So bietet die Ludgerikantorei nach der erfolgreichen Aufführung des Oratoriums Paulus im letzten Jahr wieder einmal die in Ostfriesland seltene Gelegenheit, große Chor- und Orchestersymphonik zu erleben.
Eintrittskarten sind noch bis Samstag Mittag im SKN-Kundenzentrum im Neuen Weg 33 erhältlich (Tel. 04931/925156). Auf einem genauen Sitzplan kann man sich seinen Sitzplatz aussuchen. Die Abendkasse ist ab 17 Uhr geöffnet. Das Konzert dauert etwa 90 Minuten; die Kirche ist geheizt.

Probenwochenende der Ludgerikantorei

Am 16. und 17. September 2016 trafen sich die Sängerinnen und Sänger der Ludgerikantorei zu einer intensiven Probenphase im Gemeindehaus. Im Zentrum der Probenarbeit stand die "Messe in D-Dur" von Antonin Dvorak, ein Meilenstein der Chorsymphonik. Die spätromantischen Harmonien und die große dynamische Bandbreite der Komposition machen das Werk abwechslungsreich, sind aber durchaus anspruchsvoll. Zwischenduch eine Bachkantate, ebenfalls für das Konzert am 5. November, sowie Chormusik für den Gottesdienst am Sonntag geprobt. Dieser wurde mit der achtstimmigen Motette "Jauchzet dem Herrn alle Welt" über den 100. Psalm von Mendelssohn festlich und schwungvoll eröffnet. Zwischendurch wurde ordentlich geschlemmt und geklönt, so dass neben der Probenarbeit das Gesellige nicht zu kurz kam.

Mendelssohn Paulus - Oratorienkonzert

Sonnabend, 13. Juni um 19 Uhr in der Ludgerikirche:
Felix Mendelssohn-Bartholdy:
 PAULUS
Heidrun Luchterhandt (Heidelberg), Sopran
Clemens Löschmann (Bremen), Tenor
Jörg Gottschick (Berlin), Bass
Domkantorei Schwerin (Einstudierung: Jan Ernst)
Ludgerikantorei Norden
Leitung: Thiemo Janssen

 

Zur Aufführung des PAULUS am 13. 6. 2015:

 

„Überwältigend!“ „Beeindruckend!“ „Großartig!“ „Ein Meer von Musik!“ Die Liste von Ausdrücken aufrichtiger Begeisterung, mit denen sich die Hörer über das eben Erlebte beim Verlassen der Norder Ludgerikirche austauschten, ließe sich noch spielend fortsetzen. Am Samstag führten die Domkantorei Schwerin (Einstudierung Jan Ernst), die Ludgerikantorei Norden, das Höchberger Kammerorchester sowie die Gesangssolisten Heidrun Luchterhandt (Sopran), Clemens Löschmann (Tenor) und Jörg Gottschick (Bass) unter der Leitung von Kantor Thiemo Janssen Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Paulus“ auf. Hinter diesen nüchternen Fakten verbirgt sich ein rund zweieinhalbstündiges Opus, dessen konditionelle Bewältigung rein physisch an sich schon eine Leistung ist. Es gibt nur wenige Möglichkeiten für die einzelnen beteiligten Gruppen, sich einige Augenblicke auszuruhen, für das Orchester und den Dirigenten besteht dieser Luxus gar nicht erst. Zu dicht sind Rezitative, kurze Arien oder die Chöre getaktet. Umso bemerkenswerter war die Präsenz aller Beteiligten bis zum Schluss. Ihr Verdienst war es, die eigene innere Spannung aufrecht zu erhalten, sie in einen übergeordneten Spannungsbogen einfließen zu lassen, der sich auf das Publikum in der vollbesetzten Kirche übertrug. Nun ist das Geschehen rund um das Leben des Apostel Paulus allerdings auch dramatisch genug. Als Gegner der ersten Christengemeinden ist er mitverantwortlich für die Steinigung des ersten Märtyrers Stephanus, wird selber auf spektakuläre Weise zum Glauben bekehrt und setzt sich mit demselben Eifer, den er vorher gegen sie verwandt hat, nun für die Verbreitung der neuen Lehre ein, bis zum Einsatz des eigenen Lebens. Mendelssohn ist ein Meister im Entwerfen eindringlicher akustischer Bilder, Szenarien. Mit untrüglichem Gespür für einen konsequenten Spannungsaufbau setzt er Spots auf die Höhepunkte der Handlung, stellt mit der Fülle des Chores den aufgebrachten Mob gegen feststehende Glaubensmanifestationen; zugleich beleuchtet er mit großer Sensibilität die einzelnen Charaktere, ihre Stärken und Schwächen, Befindlichkeiten. Die stimmlich ausgezeichnet sich ergänzenden Solisten sangen ihre Partien mit mehr als bloßer Stimmgewalt. Alle Drei „redeten“ mit flammender Überzeugungskraft, sei es als wütender Racheengel, als verletzliches Individuum, als ein die Menge beschwörender Prediger oder, im Falle von Sopran und Tenor, als die jeweilige Situation eindringlich schildernde Chronisten. Das Höchberger Kammerorchester füllte Mendelssohns Bilder mit jenem Licht und Dunkelheiten, die das Ganze so unmittelbar erlebbar machen. Dabei entwickelten insbesondere die (Blech-)Bläser eine derart machtvolle Üppigkeit, dass sowohl Textverständlichkeit wie auch dessen Ausgestaltung in der sonst so ruhigen Sicherheit der zu einer ausgewogenen Einheit zusammengewachsenen Chöre zuweilen unterging. Minutenlanger Beifall der sichtlich bewegten Hörer bewies, dass diese Aufführung nicht zuletzt auf Grund des den umfassenden Zusammenhalt schaffenden Dirigats von Thiemo Janssen weit über das Maß einer soliden, souveränen Leistung hinausreichte.                Barbara Fischer


Probenwochenende in Boltenhagen/Ostsee 8. - 10. Mai 2015

Erfolgreiches Probenwochenende der Ludgerikantorei für Konzerte in Norden und Schwerin - Mendelssohn-Bartholdys Paulus wird in der Ludgerikirche und im Schweriner Dom aufgeführt

Teilweise erschöpft, aber mit dem guten Gefühl, eine Menge geschafft zu haben, kehrten die Sängerinnen und Sänger der Norder Ludgerikantorei  am vergangenen Sonntag nach drei Tagen zurück in ihre Heimatstadt. Wie bereits in vergangenen Jahren, als man Bachs Matthäus-Passion (1998) und 2004 Mendelssohns Elias gemeinsam in beiden Kirchen aufführte, trafen sich die beiden Chöre zur Vorbereitung in Boltenhagen an der Ostseeküste. Die Verbindung zwischen beiden Chören ist entstanden, als mit Jan Ernst ein geborener Norder die Kantorenstelle in Schwerin antrat. Reinhard Ruge, ehemaliger Ludgerikantor, hielt die Verbindung mit einem seiner erfolgreichsten Schüler stets aufrecht. Dieser Tradition hat sich das Ehepaar Agnes Luchterhandt /Thiemo Janssen angeschlossen  und so trifft man sich immer wieder in unregelmäßigen Abständen, um gemeinsame Projekte in Angriff zu nehmen.                                                                                                                                            
Felix Mendelssohn-Bartholdy gilt als der große Bewunderer und Wiederentdecker der Bachschen Oratorien. Von der Erteilung des Kompositionsauftrags, 1831, bis zur Erstaufführung zu Pfingsten (1836) vergingen fünf Jahre. Mendelssohn wollte einen Text, der, ähnlich Händels Messias, allein aus Bibelworten bestehen sollte. Dazu wünschte er sich „die Einbeziehung von Chorälen aus dem Gesangbuch ganz in der Art der Bachschen Passion“ (Brief an Julius Schubring, 22. 12. 1832). Die Uraufführung des Paulus fand zu Pfingsten 1836 auf dem Niederrheinischen Musikfest  in Düsseldorf unter der Leitung des Komponisten statt. Die endgültige Fassung (in englischer Sprache) wurde im Oktober 1836 in Liverpool erstmals aufgeführt.  Inhaltlich steht die Bekehrung des Saulus, von der eigenen Verfolgung der Christen im ersten bis zur Missionstätigkeit bei den Heiden und Juden im zweiten Teil des Werkes im Vordergrund. Paulus wurde schnell populär und innerhalb kürzester Zeit in über fünfzig deutschen und europäischen Städten und in den USA mit großem Erfolg aufgeführt. Auch heute zählt Paulus nach wie vor zu den erfolgreichsten und eindrucksvollsten Werken kirchlicher Chormusik.                
Rund 120 Chorsänger/-innen,  40 Orchestermusiker/-innen und Heidrun Luchterhandt, Sopran, Clemens Löschmann, Tenor sowie der Bassist  Markus Krause  freuen sich auf die Aufführung am 13. Juni um 19 Uhr in der Ludgerikirche unter der Leitung von Thiemo Janssen.

Gerd Willamowski                         

                                                                                    




Mozart-Kinderkonzert am 11. Oktober 2014 um 17 Uhr

Norden/ ela – Die Bewertung der kleinen Besucher fällt einhellig und knapp aus: „Gut“, sagt die vierjährige Pauline Brau.  „Gut“, sagen auch der vierjährige Joost Kersten und sein Freund Jakob Fleck. Auch wenn dies Wort Gefallen ausdrückt, macht es nicht gerade deutlich, wie begeistert die drei und mehr als 200 Kinder und ihre Eltern und Großeltern noch gerade vom ersten „Mozart-Konzert für Kinder“ waren, das sie in der Ludgerikirche Norden gesehen und vor allem gehört haben: Sie haben immer wieder und manchmal sogar zu früh laut geklatscht, gelacht, aufmerksam und gespannt die Geschichte vom nächtlichen Besucher Mozarts angeschaut und viele geben zum Ende „Standing Ovations“. Und vor allem haben sie Mozart persönlich gesehen, ihn als Musiker erlebt.

Zum ersten Mal gab es ein solches speziell für Kinder bestimmtes Konzert in der Kirche. Das Nordwestdeutsche Barockorchester, und die Ludgerikantorei Norden sowie Solosänger aus Weimar, Berlin, Hamburg und Esens, die unter der Leitung von Thiemo Janssen noch das Requiem von Mozart, sowie ein Cello-Konzert von Carl Philipp Emmanuel Bach spielten, bewiesen sich als bestens geeignet, Mädchen und Jungen die für viele eher unbekannte und manchmal so ernste klassische Musik näher zu bringen. Und das auf fröhliche Weise – selbst wenn es sich um ein Requiem handelt, das, so lernten die Kinder übersetzt „Ewige Ruh“ bedeutet.

Erklärt hat es den Kindern Mozart selbst, der plötzlich und unter viel Applaus die Kirche betrat. Es muss gesagt werden: Thiemo Janssen hat diese Rolle in passendem Gehrock und unter weißer Perücke wunderbar gemeistert. Ein Kind war so beeindruckt, dass es laut in eine plötzliche Stille der Kirche fragte: „Bist du der echte Mozart?“

Klar war er das. Zu Anfang stellte Mozart den Kindern die Sänger und natürlich die einzelnen Instrumente vor: „Spiele er mir mal die Geige vor“, sagte er und zeigte auf den Ersten Geiger. Raimund Wartenberg erhob sich und spielte den Kindern einige Takte vor. Mozart stellte auf diese Art den Kindern jedes Instrument im Orchester mit Namen vor und ließ demonstrieren, wie es klang: Die Musiker selbst bewiesen ihren Spaß an diesem Kinderkonzert und ließen fröhliche Musiken – manche von Mozart selbst komponiert – erklingen. Die Trompeten stellten sich mit „Hey Pippi Langstrumpf“ vor. Klasse.

Und dann hörten die Kinder Stücke aus dem Requiem von Mozart. Sie waren ganz gebannt. Auch als die Solo-Sänger Marietta Zumbült (Sopran), Ursula Thurmaier (Alt), Knut Schoch (Tenor) und Jan-Bernd Strauß (Bass) und die große Ludgerikantorei ihr Können demonstrierten, herrschte Ruhe in der Kirche. Die Kinder, Eltern und Großeltern konnten sich wie in einem richtigen Konzert fühlen. Das lag nicht zuletzt daran, dass Musiker und Sänger sich schicke Anzüge und Kleider angezogen hatten. Alles, wie in einem ganz normalen, großen Konzert.

Thiemo Janssen bewies schauspielerisches Talent, als er nach etwa zehn Minuten mit dem Dirigieren aufhörte, seinen Taktstock hinlegte, sich in in die Mitte der Kirche an einen kleinen Tisch setzte und anfing, zu komponieren, also Noten auf ein Blatt zu schreiben. Plötzlich bollerte es an die Kirchentür und ein Mann mit einer Maske (gespielt von Wolfhard Schoen) eilte geheimnisvoll herein. Er bot Mozart Geld, wenn er seinem Auftraggeber ein Requiem schreibe. Mozart nahm schließlich an.  Wer sich hinter der Maske verbarg und wer der Auftraggeber war, wusste Mozart nicht.

Diese kurze Unterbrechung der Musik und des Gesangs war gut überlegt, denn einige der kleinen Besucher wurden auf ihren Sitzen unruhig. Nach gut einer halben Stunde war das Mozart-Konzert für Kinder beendet. Und alle waren begeistert. Nicht nur die ganz kleinen Gäste, auch die älteren, wie der zwölfjährige Keno Kersten: „Das Konzert war schon gut – aber dass mit Mozart war schon eher etwas für Kleineren.“ Sein Vater Jann Kersten meinte: „Dies Konzert für Kinder war eine tolle Idee.“ Auch der Erste Geiger Raimund Wartenberg sagte begeistert: „Das hat mir sehr viel Freude gemacht. Die Kirche war voll mit jungen Familien.“

Dank Agnes Luchterhandt, wie Thiemo Janssen Kantorin in der Ludgerigemeinde, wissen alle Besucher übrigens auch, wer der Auftraggeber des Mannes mit der Maske war: Ein Fürst wollte das Requiem, das Mozart ihm schrieb, später als sein eigenes ausgeben. Deshalb wollte er unerkannt bleiben. Da haben sicher auch viele Erwachsenen etwas Neues gelernt.



Beethoven - 9. Symphonie
Ludgerikirche am 21.09.2013
alle Fotos: Roland Moll

Zur Johannes-Passion am 17. März 2013 in der Ludgeri-Kirche

Die Stimmung ist aufgeheizt. „Wer sich zum König macht, der ist wider den Kaiser“, pöbelt das Volk, und „Weg mit dem, kreuzige ihn!“ Das ganze Geschehen ist hochdramatisch. Da wird gefoltert, geschlagen, am Ende sogar gemordet. Die Drahtzieher reden sich mit fadenscheinigen Behauptungen aus der Verantwortung, die Staatsgewalt beugt sich dem Willen des aufgebrachten Volkes. Doch das Szenario stammt nicht etwa aus einem Kinothriller, sondern beschreibt die Leidensgeschichte Christi nach den Worten des Johannes-Evangeliums. J.S. Bach hat sie vertont. Die Art einer konzertanten Aufführung, wie sie am Sonntag in der Norder Ludgerikirche zu erleben war (mit Karin Gyllenhammar (Sopran), Ursula Thurmair (Alt), Mirko Ludwig (Evangelist), Sönke Tams Freier (Pilatus) und Jan-Bernd Strauß (Jesus), dem Nordwestdeutschen Barockorchester sowie der Ludgerikantorei Norden unter der unaufdringlichen, aber alle Klippen des komplexen Werkes sicher umschiffenden Leitung von Thiemo Janssen) kann nicht über die Nähe zur Oper mit ihrem rasch wechselnden, wirkungsvollen Aufbau hinwegtäuschen. Solisten, Chor und Orchester fügten sich folgerichtig nahtlos aneinander, so gewann die zweistündige Aufführung neben allem ergreifenden Gehalt eine ganz eigene, spannende, facettenreiche Dynamik. Die Hauptlast des Werkes liegt indes auf den Schultern des Evangelisten als „Erzähler“; Mirko Ludwig trug diese Bürde mit ausdrucksstarker und bewundernswerter Kondition. Stimmgewaltig, mit glasklarer sprachlicher Artikulation einerseits, andererseits feinfühlig und plastisch den Text ausdeutend, dazu noch ein überzeugender Ariensänger, gestaltete er seinen Part derart, dass sich alleine seinetwegen der Besuch gelohnt hat. Doch auch die Kantorei wurde aufs Beste ihren wechselnden Aufgaben zwischen schlichten Chorälen, präzise auf den Punkt zu setzenden, kurzen Einsprengseln und ausladenden Chören gerecht. Zusammen mit den Farben des barocken Instrumentariums ergab sich ein weicher, runder Gesamtklang. Es seien zudem lobend die sehr sensibel musizierenden Instrumentalsolisten erwähnt. Jan-Bernd Strauß und Sönke Tams Freier gaben „ihren“ Figuren jeweils ein markantes Gesicht, wobei insbesondere Freier in Arien seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte. Die Sopran- und Altpartien sind von Bach ganz emotional belegt; Karin Gyllenhammar und vor allem Ursula Thurmair („Es ist vollbracht“) schufen einen verinnerlichten, zarten und verletzlichen Gegenpol zum brutalen äußeren Geschehen. Wohl jeder Besucher der vollbesetzten Ludgerikirche ist nach langem Applaus bewegt nach Hause gegangen.     (Barbara Fischer)

Impressionen von der Johannes-Passion am 17. März 2013

während der Anspielprobe
Chor und Orchester "in action"
unsere Solisten: Jan-Bernd Strauß (Bass-Jesus), Sönke Tams Freier (Bass-Pilatus), Mirko Ludwig (Tenor), Ursula Thurmair (Alt), Karin Gyllenhammar (Sopran)
mit Dirigent und Blumen

Intensives Probenwochende in Münkeboe im Januar 2013

Zwei Tage konzentriertes Proben stand am Wochenende 19./20. Januar auf dem Progamm der Sängerinnen und Sänger der Norder Ludgeri-Kantorei. Unter der Leitung von Kantor Thiemo Janssen übten sie intensiv für die Aufführung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach
am 17. März um 18 Uhr in der Norder Ludgerikirche.

Dieses Werk stellt an die Chorsänger/-innen teilweise hohe Ansprüche. Nicht zuletzt deshalb, weil die Choranteile hier wesentlich dichter und im Verhältnis umfangreicher sind als z.B. in der Matthäuspassion.

Das Gemeindehaus der Kirche Zum Guten Hirten in Münkeboe bot ideale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeiten. Pastor Wolfgang Beier, der selbst wieder in der Kantorei mitsingt, hatte den Chor in seine Gemeinde eingeladen. Für das leibliche Wohl sorgten in bewährter Manier einige Chormitglieder mit selbstgebackenem Kuchen und Getränken. Das Mittagessen wurde von Pastor Beier organisiert. Zur Abwechslung zwischendurch stand sogar ein Kickertisch zur Verfügung.

Am Sonntag beteiligte sich die Kantorei an der Gestaltung des Gottesdienstes. Sie sang dort Choräle sowie Stücke von Max Reger und Joh. Seb. Bach. Thiemo Janssen begleitete die Kantorei teilweise an der Orgel, wobei Gerd Willamowski die Chorleitung übernahm.

Etwas erschöpft, aber glücklich darüber, einen großen Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen Konzert gemacht zu haben, fuhren alle Beteiligten am späten Sonntagnachmittag nach Hause. In den kommenden Wochen wird nun intensiv am musikalischen Feinschliff gearbeitet werden, damit die Aufführung möglichst perfekt wird.    (Gerd Willamowski)


"Messiah" von Georg Friedrich Händel - 30. Juni 2012


Zum "Messiah" von G. F. Händel am 30. Juni 2012

Wie hat er das nur gemacht, der Herr Händel, oder besser: Mister Händel, eine Musik zu
schreiben, die noch genauso populär ist wie vor gut 250 Jahren, als er in London wie ein Halbgott
gefeiert wurde? Die Grundmotive und Bausteine seiner Melodien sind denkbar einfach.
Händelsche Werke kann man quasi mitsingen, ohne sie zu kennen. Sie schmeicheln dem Ohr und
bedienen doch den Geist mit allem, was man sich wünscht: Größe, Tiefe, Glanz, Raffinesse,
Abwechslungsreichtum, Virtuosität und einem untrüglichen Gefühl für die richtige Länge einer
Phrase. Vor allem aber vermag Händel wie kaum ein anderer mit einigen wenigen Tönen eine
Grundstimmung zu schaffen, die den Hörer unmittelbar ins Geschehen mit hineinzieht, sowohl in
ekstatische Begeisterung wie in tiefsten Schmerz. Sein „Messiah“ ist ein zweieinhalbstündiger
Aufführungsmarathon in englischer Originalsprache und war am Samstag in der festlichen
Norder Ludgerikirche unter der Leitung von Thiemo Janssen zu hören. Dass einem die Zeit nicht
lang wurde und Händel ganz er selbst sein konnte, dafür sorgten Clemens Löschmann als Tenor
voller Schmelz und Markus Krause als (allzu) stimmgewaltiger Baß, beide souveräne
Oratoriensänger, die genau wissen, wie man mit stimmlicher Präsenz einen Kirchenraum füllt und
das Publikum erreicht. Mit Karin Gyllenhammar (Sopran) und Benno Schachtner (Altus) hatte
man zwei hochbegabte Nachwuchssänger verpflichtet, deren Potential und Musikalität für die
Zukunft viel erwarten läßt. Das Weserbergland-Orchester, klangvoll und geschmeidig in den
freiliegenden Passagen, agierte als verlässlicher Partner und „Stimmungsmacher“ und wuchs mit
der vortrefflichen Kantorei zu einem harmonischen Klangkörper zusammen. Die wiederum
bestach durch ihre Spannkraft und nahezu jugendlichen Klang. Insbesondere ein kleiner
Auswahlchor legte in seiner Transparenz und virtuosen Beweglichkeit eine bravouröse Leistung
ab. Letztlich aber liefen alle Fäden bei Kantor Thiemo Janssen zusammen, der mit seinem klaren
und präzisen Dirigat so gelöst leicht durch diesen Händel-Genuß-Abend führte, daß man meinen
könnte, der „Messiah“ sei ein Kinderspiel. Das berühmte „Hallelujah“, schon zuvor mit
spontanem Zwischenapplaus belohnt, war die Zugabe. Und wer die Begeisterung bei Aktiven und
im Publikum gespürt hat, weiß, warum Händel auch im Jahre 2262 immer noch populär sein wird.
Solch ein Zauber bleibt eben ungebrochen.
Barbara Fischer in der Ostfriesen-Zeitung am 2. 7. 2012

Impressionen vom Weihnachtsoratorium Dezember 2009


Jubiläumskonzert - 125 Jahre Ludgerikantorei

Berauschendes Konzert zum Jubiläum
125. Geburtstag der Ludgerikantorei – Begeisterung bei Mitwirkenden und Besuchern

Lang anhaltender Beifall für Chor, Orchester, Solisten und die Pianistin

Es ist ein Abend ohne ein gesprochenes Wort. Er gehört allein der Musik, er gehört Mozart und Beethoven, er gehört der Ludgerikantorei und den Solisten mit ihrem Publikum. Sie alle feiern gemeinsam den 125. Geburtstag der Kantorei mit einem grandiosen Konzert.
Die Kirche ist an diesem Sonnabend Abend nahezu voll besetzt, aber das ist nicht zu hören. Kaum einer bewegt sich, wird nicht musiziert, ist kein Laut zu hören. Die Spannung der Musik liegt im ganzen Kirchenschiff, sie überträgt sich von den Konzertierenden auf ihr Publikum. Alles verschmilzt zu einer Einheit unter dem Dach dieser Musik.
Das Ganze macht es
Was ist wohl der Höhepunkt? Als Dominika Iwanski aufgestanden ist von ihrem Platz am Flügel, als sie gerade den letzten Ton von Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur gespielt hat, der noch im Raum schwebt? Oder als Sopranistin Marietta Zumbült noch ein letztes Mal so richtig intensiv zu hören ist beim Laudate dominum in Mozarts Vesperae solennes de Confessore? Oder vielleicht, als die Streicher des Höchberger Kammerorchesters dominant aufspielen oder die Oboen mit ihrem durchdringenden Klang so selbstverständlich ihren Weg in jedes Ohr finden?
Es ist wohl das Ganze, das den Abend ausmacht. Da ist der große Chor der Ludgerikantorei im Hintergrund, der die Basis schafft gemeinsam mit dem Orchester, damit die Solisten vor ihnen glänzen können. Da ist der Dirigent Thiemo Janssen, der als Einziger weder singt noch ein Instrument spielt, sich also  in keiner Form äußert und doch maßgeblichen Erfolg am Gelingen des Abends hat. Er dirigiert mit einer unglaublichen Wucht. Seine Armbewegungen, seine Körperhaltung zeigen, was er hören, was er spüren und ans Publikum weitergeben will. Seine Hände verkrampfen, wenn er die Dramatik steigern möchte, er schwingt mit, wenn es lieblich und sanft durch die Kirche schallt. Das gibt exakt wieder, was in gut zwei Stunden an diesem Abend in der Ludgerikirche zu hören ist.
Krönungsmesse
Mozarts Krönungsmesse, das Vesperae solennes de Confessore und Beethovens Klavierkonzert, das ist überaus passende feierliche, aber auch von einer innigen Fröhlichkeit gekennzeichnete Musik.
Iwanskis Flügelspiel steht natürlich im Mittelpunkt bei Beethoven. Es ist unglaublich, wie sie mit dem Flügel verschmilzt, die Finger gleiten wie selbstverständlich über die Tasten, geben einfach heraus, was sie in sich trägt. Von dieser Innigkeit ist der ganze Abend geprägt. Bei Mozart befruchten sich Chor und Solisten immer wieder gegenseitig. Die Laiensänger und
-sängerinnen meistern auch schwierige Passagen mit viel Gefühl, selbst die Höhen gelingen wirklich gut, einfach alles passt an diesem Abend zusammen.
Mit Marietta Zumbült (Sopran), Annette Gutjahr (Alt), Oliver Uden (Tenor) und Jan-Bernd Strauß (Bass) stehen vor Chor und Orchester vier Solisten, die sich wunderbar in das Klangensemble einfügen, ihre Stimmen tragen, ohne andere zu erdrücken, alles schwingt zu einem sehr wohlgeformten gemeinsamen Klangteppich.
Wechselspiele
So kann das Publikum die Wechselspiele zwischen Chor und Solisten besonders genießen, weil es keinen Bruch gibt in der Musik, es kann sich tragen lassen von der feierlichen Stimmung, die sich vom ersten Moment an in der Kirche ausgebreitet hat.
Es ist Musik, die im Ohr bleibt. Sei es das „Dona nobis pacem“, sei es das „Gloria patri“, ein „Amen“ oder einfach dieser Gesamtklang: 125 Jahre Ludgerikantorei hatten eine besondere Aufführung als Geburtstagsgeschenk verdient. Tatsächlich machte sich die Kantorei selbst das schönste Geschenk mit diesen Klängen, die über Stunden im Ohr geblieben sein dürften.
(Bericht: Irmi Hartmann – Ostfriesischer Kurier vom 27.06.2011)


Bach im Advent 5. Dezember 2010

Advent heißt "Ankunft". Für viele Menschen gehört die Musik Joh. Seb. Bachs mit zu dem, was diese vier Wochen prägt und ausmacht.
Bach kommt also auch an - bei Musikern sowieso, denn seine Werke zu singen und zu spielen bedeutet immer eine niveauvolle Herausforderung.
So präsentierten die Norder Ludgeri-Kantorei, das Nordwestdeutsche Barockorchester, Heidrun Luchterhandt (Sopran), Ursula Thurmair (Alt), Dirk Hauenschildt (Tenor), Jan-Bernd Strauß (Baß) und Elke Johann to Settel (Sopran, als Ergänzung des Solistenquartetts) am zweiten Adventssonntag ein rund zweistündiges festliches Chor- und Orchesterkonzert in der vollbesetzten Ludgerikirche.
Doch wurde dem Hörer die Zeit nicht lang, denn zwei Kantaten, eine Suite sowie das Magnificat boten reichlich Abwechslung und den Ausführenden Gelegenheit, ihre jeweiligen Qualitäten unter Beweis zu stellen.
Präzise und sauber gelangte die Kantorei mit schönem Klang durch das filigrane Rankenwerk der oft rhythmisch so verzwickten Chorpartien, zuweilen nur durch die Instrumentalisten etwas zugedeckt.
Mit der vielbeschäftigten Heidrun Luchterhandt und Ursula Thurmair, die man sehr gerne ausführlicher gehört hätte, waren zwei hervorragende Solistinnen zu erleben, die ihren männlichen Kollegen in punkto Schaffung von athmosphärischer Dichte, Glanz und Wärme überlegen waren. Stimmgewaltig zwar, aber unsentimental und
häufig unbeweglich verschenkten Dirk Hauenschildt und Jan-Bernd Strauß manche Gelegenheit zur Umsetzung der von Bach so einfallsreich gestalteten Textauslegung.
Die prachtvolle Orchestersuite in D, als "Puffer" zwischen den Vokalwerken eingeschoben, bot sich dem  Publikum so strukturiert und gleichzeitig dynamisch dar, dass man zu dem Schluss kommen könnte, mit
Thiemo Janssen stände eher ein reiner Instrumentalist denn Kantor am Dirigentenpult, der es versteht, das Bachesche Stimmgefüge differenziert offenzulegen. "Bach im Advent" bedeutete einmal nicht die Aufführung ein
in sich geschlossenen Ganzen, wie etwa des Weihnachtsoratoriums, sondern trug in seiner aneinandergereihten Vielteiligkeit zuweilen Züge eines "Wunschkonzertes", welches zahlreiche Ohrwürmer, Highlights und Hits aus den "Charts der Barockmusik" vereinigte. Diese jedoch einmal im ursprünglichen Kontext hören zu können, war im Blick auf die üblichen Medienpraktiken eine Wohltat. Und siehe, auch das "Drumherum" bot viele, viel zu selten zu erlebende Juwelen wie etwa die von zwei Blockflöten umspielte Altarie im Magnificat; quasi ein Kleinod aus Bachs privater Schatztruhe und von den Beteiligten mit viel Gespür für's Privatissimum musiziert. Das Publikum war begeistert und zufrieden, wie sich unschwer am Beifall ablesen ließ.
So ist Bach musikalisch nicht nur sicher, sondern auch im doppelten Sinne gut angekommen.
                                                                                                                              Barbara Fischer, Emden