Kirchenführung
Entdecken Sie die Schätze der Ludgeri-Kirche
In aller Kürze die Baugeschichte
der Ludgeri-Kirche, ehe der Rundgang beginnt.
Die Ludgerikirche, heute die größte mittelalterliche Kirche
Ostfrieslands, wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Der
älteste Teil ist das heutige Langschiff , das in der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts als romanische Einraumkirche erbaut
wurde. Diese schloss im Osten mit einer halbrunden Apsis
(Altarraum) ab, und hatte an den Seitenwänden kleine
Rundbogenfenster. Der freistehende Glockenturm aus dem frühen
14. Jahrhundert ist heute durch eine Straße von der Kirche
getrennt. Etwa um dieselbe Zeit wurde die Kirche durch ein
Querschiff erweitert, das 1445 seine heutige Gestalt erhielt.
Bald danach wurde auch der dreischiffige Chor errichtet,
offenbar nach dem Vorbild des Chors der Martinikirche in
Groningen. Maßgeblich am Bau des Querschiffs und Chores
beteiligt war der Norder Häuptling und spätere ostfriesische
Reichsgraf Ulrich I. aus dem Hause Cirksena. Die Ausstattung
der Kirche umfasst Kunstwerke und Glaubenszeugnisse aus den
verschiedensten Zeiten und Stilrichtungen.
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Ludgeri-Kirche.
Am Ende des Langschiffs dominiert rechts die barocke Kanzel mit einem mächtigen Schalldeckel. Sie wurde 1712 von Rudolph Garrelts errichtet, einem aus Norden stammenden und damals in Hamburg, später in den Niederlanden wirkenden Orgelbauer. Die Heilsgeschichte, die allsonntäglich von dort aus verkündigt wird, ist für den Betrachter in den vielen geschnitzten Figuren wiederzufinden, die von dem niederländischen Bildschnitzer Jan de Rijk stammen: Das tragende Fundament bildet Mose mit den zwei Gesetzestafeln (die 10 Gebote enthaltend). Am Kanzelkorb ist Jesus, der Retter der Welt (I[ESUS] S[ALVATOR] MUNDI), die zentrale Figur, flankiert von Johannes dem Täufer und den vier Evangelisten auf der einen und den Aposteln nebst Martin Luther auf der anderen Seite (am Treppenaufgang). Von der Kreuzigung künden die Figuren mit den Marterwerkzeugen oben auf dem Rand des Kanzeldeckels, von der Auferstehung die Reliefs darüber (an der Laterne) und von der Ewigkeit schließlich die bekrönenden Engel.
Ein international bedeutendes Kunstwerk ist die barocke Orgel, die zwischen 1686 und 1692 von dem berühmten Hamburger Orgelbauer Arp Schnitger erbaut wurde. Ihre ungewöhnliche Platzierung um den südöstlichen Vierungspfeiler herum trägt der ungewöhnlichen räumlichen Struktur der Kirche Rechnung und lässt ihren edlen Klang in allen Raumteilen gut hören. Seit der 1985 abgeschlossenen umfassenden Restaurierung durch den Leeraner Orgelbauer Jürgen Ahrend ist sie ein starker Anziehungspunkt für Orgelfachleute und -liebhaber aus aller Weit.
Am Pfeiler gegenüber der Orgel ist ein großes steinernes Grabdenkmal zu sehen, das 1678 für den Drost von Lütetsburg und Ahnherrn der Grafen und Fürsten zu Inn- und Knyphausen, Unico Manninga (+ 1588) errichtet wurde. Oberhalb des anbetend liegenden Toten ist die Auferstehung Jesu dargestellt, umrahmt von allegorischen Figuren für die vier Kardinaltugenden und die drei christlichen Tugenden.
Die räumliche Zweiteilung der Kirche wird seit dem Ende des
17. Jahrhunderts unterstrichen durch den Fürstenstuhl, dem Sitz
der zunächst gräflichen, später fürstlichen Familie Cirksena.
Als Ersatz für die darunter noch erhaltenen gotischen
Grafenstühle wurde er 1596 "gebouwet vor de lewe Overicheit”.
Der 1601 von der Gräfin Katharina (einer schwedischen
Königstochter) dort angebrachte Giebel zeigt den hebräischen
Namen Gottes und das Wappen der Cirksenas und des schwedischen
Königshauses.
Die Ausstattung des Hochchores stammt weitgehend noch aus
vorreformatorischer Zeit, so der schlichte sechseckige
Taufstein, das seitliche gotische Chorgestühl von 1481, das
vermutlich aus dem einstigen Norder Benediktinerkloster stammt
und an seinen östlichen Seitenwangen in kunstvoller
Holzschnitzarbeit die Verkündigung des Engels an Maria und die
Kreuzigung Jesu zeigt, sowie das um 1500 entstandene
Sakramentshaus aus Baumberger Kalksandstein, dessen
durchbrochene Bekrönung einem spätgotischen Kirchturmhelm
gleicht.
Der Hochaltar geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück, gehörte sicherlich auch zur Erstausstattung des Hochchors und ist der einzige von ursprünglich fünf Altären, der die Reformation wenigstens in Teilen überdauert hat. Erhalten ist aus dieser Zeit noch der spätgotische Baldachin mit dem reichhaltigen Schnitzwerk als Bekrönung. Im unteren Teil wurde der einstige Schnitzaltarschrein nach der Reformation (1577) durch Einsetzen einer großen Tafel zu einem protestantischen Schriftaltar im Renaissancestil umgestalltet. Die Beschriftung in Goldbuchstaben auf azurhitblauem Hintergrund zeigt in mittelniederdeutscher Sprache auf der Mitteltafel die Einsetzungsworte zum Abendmahl, auf den Flügeln zu beiden Seiten weitere Bibeltexte zum Abendmahl und auf den Außenseiten der Flügel die Zehn Gebote.
Nach den liturgischen Gepflogenheiten der damaligen Zeit waren bei den täglichen Wochengottesdiensten die Flügel zugeklappt und die Zehn Gebote zu sehen, die das Alltagsleben regeln. Für die Gemeinde waren sie zugleich Ermahnung und Aufruf zur Reue, wenn man sie übertreten hatte. Sonntags waren die Flügel geöffnet, denn dann wurde das Abendmahl gefeiert, in dem die Vergebung der Sünden erfahren wurde.
Im Chorumgang, also den im Osten zusammenlaufenden beiden Seitenschiffen des Chores, sind neben vielen Epitaphen (meist hölzernen Erinnerungstafeln) und steinernen Grabplatten (z. T. im Fußboden liegend) auch die Sandsteinfiguren zu sehen, die Jahrhunderte lang die Giebelfronten des Querschiffes schmückten und heute zum Schutz vor weiterer Verwitterung in der Kirche aufgestellt sind.
Die Sandsteinfiguren stammen aus der ersten Hälfte des 13.
Jahrhunderts und lassen den Einfluss der nordfranzösischen
Kathedralplastik erkennen. Am besten erhalten ist die
Marienfigur. Am südlichen Querschiffgiebel sind seit 1985
ergänzte Kopien dieser Figuren angebracht.






